20 Cybermobbing aus Sicht der Lehrpersonen
Während die befragten Kinder und Jugendlichen berichteten, wie oft sie (Cyber-)Mobbing und verletzendes Verhalten erleben, wurden die Lehrpersonen gebeten, einzuschätzen, wie verbreitet Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern im Alter ihrer Klasse ist (Abbildung 20.1).
Zwei Drittel der Lehrpersonen (68%) gehen davon aus, dass 16% oder mehr der Mädchen von Cybermobbing betroffen sind; 40% der Lehrpersonen gehen davon aus, dass entsprechend viele Jungen betroffen sind. Vergleicht man diese Werte mit den Angaben der Schülerinnen und Schüler selbst (siehe Abbildung 6.1), von denen 7% berichteten, im letzten Jahr Cybermobbing erlebt zu haben, erscheinen die Einschätzungen der Lehrpersonen relativ hoch.
Zwar belegen die Daten der Kinder die Einschätzung der Lehrpersonen, dass Mädchen insgesamt häufiger von negativem Verhalten gegen sich betroffen sind - 34% der Mädchen berichten dies, verglichen mit 26% der Jungen. Dieser Unterschied verschwindet jedoch, wenn nur Cybermobbing betrachtet wird und deckt sich nicht mit den Einschätzungen der Lehrpersonen.
20.1 Erfahrung der Lehrpersonen mit Cybermobbing
Von allen befragten Lehrpersonen hat eine Mehrheit von 71% bereits mindestens einen Fall von Cybermobbing an der eigenen Schule erlebt. Bei 49% waren es bereits mehrere Fälle. Von diesen Lehrpersonen berichteten 30%, dass ein Kind ihrer Klasse bereits Opfer von Cybermobbing war und 25% gaben an, dass ein Kind ihrer Klasse als Täter oder Täterin beteiligt war.
Auf die Frage, ob ihre Schule mit der Herausforderung Cybermobbing umgehen kann, zeichnen die Lehrpersonen ein eher positives Bild (Abbildung 20.2). Etwa zwei Drittel (66%) stimmen der Aussage zu, dass ihre Schule auch bei schweren Cybermobbing-Fällen angemessen reagieren kann. Rund die Hälfte gibt auch an, dass ihre Schule aktive Präventionsarbeit gegen Cybermobbing leistet (52%) oder über eine entsprechende Anlauf- oder Beratungsstelle verfügt (50%). Diese Werte haben sich gegenüber der Befragung 2019 kaum verändert. Während aber 2019 16% der Lehrpersonen angegeben haben, dass dem Thema Cybermobbing in ihrer Schule zu wenig Beachtung geschenkt wird, sind es aktuell 33%.
Zwei Drittel (66%) der Lehrpersonen sind der Ansicht, dass das Thematisieren von Cybermobbing im Unterricht dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler besser für das Thema zu sensibilisieren (Abbildung 20.3). Jedoch ist eine Mehrheit von 60% auch der Ansicht, dass die Verantwortung für diese Sensibilisierung nicht in erster Linie bei der Schule liegt. Dies deckt sich auch mit den Ansichten der Lehrpersonen zur Aufteilung der Verantwortung zwischen Eltern und Schule zu diesem Thema (siehe Abbildung 18.1).


