7  Sexuelle Darstellungen und Nachrichten

Welche Darstellungen als sexuelle Darstellungen interpretiert werden, ist zum Teil individuell geprägt. Zudem können Kinder Mühe haben, sexuelle Darstellungen beispielsweise von medizinischen Illustrationen oder alltäglichen Bildern, auf denen viel Haut zu sehen ist, zu unterscheiden. Das kann zur Folge haben, dass mehr Kontakte mit sexuellen Darstellungen berichtet werden, als tatsächlich stattgefunden haben. Andererseits besteht bei diesem Thema auch die Möglichkeit, dass der Kontakt mit sexuellen Darstellungen aufgrund der sozialen Erwünschtheit seltener berichtet wird, als er tatsächlich stattgefunden hat. Diese Unschärfen sind bei der Interpretation der Daten mit zu berücksichtigen.

7.1 Sexuelle Darstellungen

24% der Befragten geben an, im letzten Jahr sexuelle Darstellungen im Internet gesehen zu haben. Der Anteil nimmt über die Altersgruppen zu und steigt von 5% bei den 9/10-Jährigen auf 51% bei den 15/16-Jährigen an. Der Anteil bei den Jungen ist mit 28% höher als der Anteil bei den Mädchen (20%). Dieser Unterschied nimmt mit steigendem Alter ebenfalls zu. Bei den 15/16-Jährigen geben 61% der Jungen an, sexuelle Darstellungen gesehen zu haben, verglichen mit 41% der Mädchen. Im Vergleich zum Jahr 2019 (38%; Hermida, 2019) geben aktuell nur 24% der Befragten an, sexuelle Darstellungen gesehen zu haben. Dieser Rückgang lässt sich in allen Altersgruppen beobachten.

Abbildung 7.1: Kontakt mit sexuellen Darstellungen
Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Hast du in den letzten 12 Monaten jemals sexuelle Bilder gesehen?

Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die angaben, sexuelle Darstellungen gesehen zu haben, wurden auch nach ihrer Reaktion darauf gefragt.

In den meisten Fällen löst der Kontakt mit sexuellen Darstellungen keine Reaktion aus - das ist sowohl bei den Mädchen (27%) wie auch bei den Jungen (39%) der Fall (vgl. Tabelle 7.1). Allerdings unterscheiden sich die Geschlechtergruppen hier auch am stärksten voneinander. Obwohl auch die Mädchen am häufigsten angeben, nach dem letzten Kontakt mit sexuellen Darstellungen nichts Bestimmtes gefühlt zu haben, ist der Anteil derer, die sich daran ein bisschen gestört haben (23%) beinahe gleich hoch und deutlich höher als bei den Jungen (12%). Mädchen geben auch deutlich häufiger als Jungen an, sich ziemlich oder stark an den Darstellungen gestört zu haben.

Fasst man die Zahlen unabhängig davon, wie stark die empfundene Störung war, zusammen, haben sich 59% der Mädchen, die solche Darstellungen gesehen haben, daran gestört. Bei den Jungen ist das nur bei 26% der Befragten der Fall.

Tabelle 7.1: Reaktion auf sexuelle Darstellungen
Reaktion oft indifferent, aber Mädchen häufiger gestört/verärgert
Antworten der Mädchen und Jungen, die sexuelle Darstellungen gesehen haben, auf die Frage: Wie hast du dich dabei gefühlt?
Reaktion Jungen Mädchen Differenz
Ich habe mich gut gefühlt 12 2 -10
Ich fand es lustig 12 7 -5
Ich habe nichts bestimmtes gefühlt 39 27 -12
Es hat mich ein bisschen gestört/verärgert 12 23 10
Es hat mich ziemlich gestört/verärgert 8 17 10
Es hat mich sehr fest gestört/verärgert 6 19 12
keine Antwort 11 6 -6
Alle Befragten, die sexuelle Darstellungen gesehen haben (n = 320)

7.2 Sexuelle Nachrichten

Sexuelle Nachrichten können einerseits ein ganz normaler Aspekt der jugendlichen Entwicklung sein. Sie können Spass machen, zum Flirten oder zum Entdecken der Sexualität beitragen. Andererseits können Kinder und Jugendliche via sexuelle Nachrichten in Kommunikation verwickelt werden, die nicht ihrem Entwicklungsstand entspricht oder bei der sie sich unwohl fühlen.

66% der Befragten geben an, in den letzten 12 Monaten nie sexuelle Nachrichten erhalten zu haben. Je älter Kinder werden, desto eher haben sie sexuelle Nachrichten erhalten. Von den 15- bis 16-Jährigen geben 21% an, ein paar Mal sexuelle Nachrichten erhalten zu haben und ein kleiner Anteil (4%) in dieser Altersgruppe gibt an, dass dies mindestens einmal pro Monat oder häufiger passiert ist. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtergruppen sind vernachlässigbar.

Abbildung 7.2: Häufigkeit sexueller Nachrichten
Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Wenn überhaupt, wie oft hast du in den letzten 12 Monaten solche sexuellen Nachrichten erhalten (dies können Sprachnachrichten, Textnachrichten, Bilder oder Videos sein)?

7.2.1 Absender sexueller Nachrichten

Alle jene, die angaben, sexuelle Nachrichten erhalten zu haben, wurden auch danach gefragt, ob sie wissen, von wem die Nachricht geschickt wurde. In der Regel ist den Befragten der Absender sexueller Nachrichten nicht bekannt (40%). Danach folgen Freundinnen und Freunde (20%) und andere Kinder und Jugendliche aus der Schule (13%).

Tabelle 7.2: Quelle der sexuellen Nachrichten
Fremde häufigste Quelle sexueller Nachrichten
Antworten in Prozent aller Befragten, die sexuelle Nachrichten erhalten haben.
Von wem erhalten in %
Jemand den ich nicht kenne 40
Freundinnen oder Freunde 20
Jemand aus meiner Klasse oder andere Kinder aus meiner Schule 13
Jemand, den ich nur über das Internet/online kenne 12
Jemand anderes 11
Ich weiss nicht 11
Möchte ich nicht sagen 5
Familienmitglied 4
Jemand, mit dem ich in einer romantischen Beziehung bin („Freund oder Freundin“) 4
Alle Befragten, die sexuelle Nachrichten erhalten haben (n = 182)

7.2.2 Reaktion auf sexuelle Nachrichten

Gleich wie beim Kontakt mit sexuellen Darstellungen haben die Betroffenen auch hier am häufigsten angegeben, dass sie nichts Bestimmtes gefühlt haben (vgl. Tabelle 7.3). Fasst man aber alle negativen Reaktionen zusammen, haben sich 51% jener, die solche Nachrichten erhalten haben, daran gestört. Die Betroffenen wurden ebenfalls danach gefragt, mit wem sie über das Erlebte gesprochen haben. Die meisten (40%) geben an, mit niemandem darüber gesprochen zu haben (vgl. Tabelle 7.4). An zweiter Stelle folgen Freundinnen und Freunde (37%) und danach die Eltern (19%). Damit erweisen sich auch hier die Freundinnen und Freunde als die wichtigsten Vertrauenspersonen.

Tabelle 7.3
Reaktion oft indifferent, aber häufig verärgert
Antworten in Prozent aller Befragten, die sexuelle Nachrichten erhalten haben.
Reaktion in %
Ich habe nichts bestimmtes gefühlt 24
Es hat mich ein bisschen gestört/verärgert 17
Es hat mich ziemlich gestört/verärgert 17
Es hat mich sehr fest gestört/verärgert 17
keine Antwort 11
Ich fand es lustig 11
Ich habe mich gut gefühlt 4
Alle Befragten, die sexuelle Nachrichten erhalten haben (n = 182)
Tabelle 7.4
Die meisten sprechen mit niemandem oder mit Freunden
Antworten in % aller, die sexuelle Nachrichten erhalten haben, auf die Frage: Das letzte Mal, als das passiert ist, mit wem hast du darüber gesprochen?
Gesprochen mit in %
Ich habe mit niemandem gesprochen 40
Einem Freund / einer Freundin (ungefähr gleich alt wie ich) 37
Meiner Mutter oder meinem Vater (oder Erziehungsberechtigte) 19
Meinem Bruder oder Schwester (auch Stiefgeschwister, Pflegegeschwister oder Halbgeschwister) 8
Einer anderen erwachsene Person, der ich vertraue 4
Ich weiss es nicht 4
Jemand, dessen Beruf es ist, Kindern zu helfen 3
Jemand, mit dem ich online/im Internet spreche 3
Jemand anderem 3
Meinem Grossvater oder meiner Grossmutter 2
Möchte ich nicht sagen 2
Einer Lehrerin / einem Lehrer 1
Alle Befragten, die sexuelle Nachrichten erhalten haben (n = 182)

7.3 Fragen nach sexuellen Informationen

Mit zunehmendem Alter werden Kinder und Jugendliche im Internet auch häufiger nach sexuellen Informationen über sich gefragt. 11% der Befragten geben an, dass dies in den letzten 12 Monaten mindestens ein paar Mal passiert ist. Mädchen sind im Schnitt etwas häufiger betroffen (14%) als Jungen (8%). Die Zahl der Betroffenen steigt von 6% bei den 11/12-Jährigen auf 20% bei den 15/16-Jährigen an. In der höchsten Altersgruppe ist der Unterschied zwischen den Geschlechtergruppen ausgeprägter als im Durchschnitt. Während 15% der 15/16-jährigen Jungen angegeben haben, nach sexuellen Informationen über sich gefragt worden zu sein, war das bei einem Viertel (25%) aller Mädchen der Fall. Im Vergleich zum Jahr 2019 sind etwas weniger Kinder und Jugendliche betroffen. Während aktuell 76% aller Befragten angeben, dass sie im vergangenen Jahr nie nach sexuellen Informationen gefragt wurden, waren es im Jahr 2019 nur 67%, die dies nie erlebt haben. Der Rückgang zeigt sich insbesondere bei den 13- bis 16-Jährigen.

Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Wie oft wurdest du in den letzten 12 Monaten von jemandem online/im Internet oder über dein Handy nach sexuellen Informationen (Wörter, Bilder/Fotos, Videos) über dich selbst gefragt, obwohl du diese Frage nicht beantworten wolltest?